Margot Käßmann
Fall und Vorbilder
Ja, man darf nicht betrunken Auto fahren.
Ja, man darf
auch nicht über rote Ampeln fahren.
Das wissen wir. Und wenn man es macht, wird
man bestraft.
So passiert es tagtäglich und nun auch mit Margot Käßmann.
Geldstrafe, Führerscheinentzug, - das ist geregelt.
Eigentlich könnte man es
dabei bewenden lassen,
so wie es bei Hinz und Kunz der Fall ist.
Doch bei
Margot Käßmann scheint es nicht so einfach zu sein.
Warum eigentlich?
Kritiker werfen Frau Käßmann, der Bischöfin und
Ratsvorsitzenden vor,
dass sie in dem Amt eine Vorbildfunktion habe und diese
nun verloren habe.
Schauen wir uns doch mal die großen Vorbilder unseres Glaubens an:
Der charismatische Mose, der sein Volk gerettet
und
ins gelobte Land geführt hat, den Gott als Freund bezeichnet,
hat einen
ägyptischen Aufseher erschlagen (Exodus 2,12).
Der ruhmreiche König David hat
einen Mann hinterlistig töten lassen,
um dessen Frau zu seiner zweiten Frau zu
machen (2. Samuel 11).
Petrus, der als Fels gilt, auf dem das Papstamt steht,
hat Jesus dreimal verleugnet
(Markus 14, 66-72). Und wie würden Juristen
Jesu
Vertreibung aus dem Tempel bewerten (Markus 11,15):
Hausfriedensbruch, Nötigung, Sachbeschädigung?
Was ist das alles im Vergleich mit Trunkenheit am Steuer?
All diese Taten werden in der Bibel nicht verherrlicht
und nicht verheimlicht.
Sie zeigen Menschen, die großartiges Machen
und auch
großartige Fehler machen, weil sie Menschen sind.
Jedoch hat keiner von diesen
wichtigen Personen sein Amt aufgeben müssen.
Wo wären wir heute, wenn sie es getan hätten?
So stellt sich die Frage: Warum brauchen wir Vorbilder?
Kinder und Jugendliche brauchen Menschen als
Vorbilder,
um sich zu orientieren. Und wann sind wir erwachsen genug,
um keine
Vorbilder mehr zu brauchen? Frau Käßmann hat sich nicht
zum Vorbild gemacht.
Sie wurde auf diesen Sockel gestellt; wie viele andere auch.
Beim kleinsten
Makel wird dann gekrittelt.
Wir scheinen in letzter Zeit eine Vorliebe entwickelt
zu haben,
Menschen auf Sockel zu stellen, um sie gleich wieder zu stürzen,
darum müssen sie zuerst auf den Sockel.
Die Massenmedien leben davon, sie
brauchen das,
weil wir Medienkonsumenten ihnen das im wahrsten Sinne des Wortes
abkaufen und so finanzieren.
Der
„Fall Käßmann“, der Sturz macht sehr deutlich,
was uns wichtig ist und leider
auch, was wir dabei übersehen und in Kauf nehmen.
Frau Käßmann befürchtet,
keine Autorität mehr zu haben,
da sie einen großen Fehler gemacht hat.
Wahrscheinlich sieht Gott das anders.
"Wer unter euch ohne Sünde ist, der
werfe den ersten Stein!" (Johannes 8,7).
Das sagte Jesus zu den Menschen,
die eine Ehebrecherin steinigen wollten.
Er sagte dies nicht, weil er Ehebruch
gut fand, sondern weil er es scheinheilig fand,
wie Menschen mit Menschen
umgehen,
die Fehler gemacht haben. Delikt und Reaktion stehen in keinem Verhältnis.
Wie mündig sind wir?
Es stellt sich doch die Frage, wie mündig und wie
erwachsen
wir eigentlich sind, dass es noch Vorbilder braucht, die vorzuleben,
was und wie etwas richtig ist? Eine Welt wäre reifer,
wenn sie keine makellosen
Helden an ihrer Spitze mehr bräuchte.
Wenn es genügte, dass das
Führungspersonal einfach nur die Aufgabe gut macht.
Der Sehnsucht nach
makellosen Vorbildern ist allzu
sehr Ausdruck einer infantilen Sehnsucht.
Gut, Kinder brauchen ein Vorbild, Erwachsene taugen als Vorbilder
nur mit Vorsicht. Und ein Vorbild für Erwachsene?
Wenn man ein Vorbild braucht,
soll man sich lieber
Gott als Vorbild nehmen, der es aushalten muss,
dass seine Geschöpfe laufend
Fehler machen,
der sie aber nie aufgegeben hat oder gar steinigen wollte.
Martin Luther verweist auf das Vorbild Gott,
an dem er sich orientiert und von
dem er alle Hoffnung hat,
wenn er schreibt: „Die Hoffnung ist eine göttliche
Tugend,
welche allein Gott im Blick hat… Wo nur einer auf etwas anderes hofft
…,
ist vermessen und hat schon die Hoffnung verloren.“
Das
ist eine Absage an alle menschlichen Vorbilder,
Idole und Projektionsflächen
unserer Sehnsüchte.
Gott wurde Mensch, mit diesem Vorbild wollte er,
dass die
Menschen menschlicher werden, nicht dass sie sich anmaßen,
heiliger, scheinheiliger und göttlicher zu werden.
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Colette Schrodi Chargée de communication
Union des Eglises Protestantes d'Alsace et de Lorraine
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Mercredi 24 Mars
(19H30)
Restaurant "A la Charrue"Lauterbourg
Thème :
"Notre Dialecte alsacien..."
avec le Pasteur et auteur
Daniel STEINER
Une soirée organisée dans le cadre de
"E Friehjohr fer unseri Sprooch"